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Schöpfer, Schöpfung und die Unendlichkeit
Schöpfer und Schöpfung erschaffen einander und sind untrennbar eins. In unserer Welt ist der Mensch der Schöpfer und das Kunstwerk sein Geschöpf, doch im Kosmos ist der Mensch das Geschöpf. In einem kreativen Prozess, den wir Kunst nennen, spielen wir die grossen Prinzipien der Schöpfung nach und erkunden die Gesetze des Universums. Durch diesen Prozess erkennen wir das Grosse im Kleinen und das Kleine im Grossen wieder und ermöglichen uns dadurch die Erfahrung der Transzendenz. Die Kunst ist ein Prozess der Bewusstwerdung, ein Weg, die Illusionen der abertausend Dinge zu durchleuchten und die Natur des Wesentlichen zu erkennen. Sie ist der Pfad, den äusseren Kosmos kennenzulernen und zugleich den unendlichen inneren Kosmos in uns selbst zu entdecken und zu erforschen. Kunst ist Zelebration des ewigen Lebens, ein Akt in allen Aspekten unseres Daseins mit dem grossen Mysterium zu verschmelzen.
Im Auge des Mysteriums
Das grosse Mysterium ist eine grosse Offenbarung. Je tiefer man hineintaucht, um so geheimnissvoller wird es. In ihm verborgen ruht das Eine. Sein statischer Aspekt wohnt allem inne, sein dynamischer Aspekt ruft die Schöpfung hervor.
Der Fluss der Schöpfung, unendlich in seiner Vielfalt und unerschöpflich in seiner Kraft, fliesst immerwährend. Er selbst ist ohne Name und Begriff und seinem Wesen nach nicht-existent, doch ist in ihm alles enthalten, jede Idee, jedes Konzept, alle Möglichkeiten und Unmöglichkeiten. Seine Bewegung erschaft den Himmel, in der Schwingung, Farbe, Form und Qualität eins sind. Durch Ordnung und kosmische Gesetze treten die abertausende Dinge in ihre formhafte Existenz. Licht erzeugt Ordnung und Struktur, Dunkelheit ist das Ur-Chaos. In ihrem Zusammenspiel entsteht das Universum, die aberzähligen Dimensionen, sowie die Welt der Materie.
Der Weg zurück zur Quelle liegt schlummernd in allen Dingen, die aus dem Ursprung gekommen sind. Das Geheimnis, ihn zu finden, schützt sich selbst. In ihm sieht das Behaftete nur Oberfläche, Stückwerk und das Begrenzte, das Unbehaftete jedoch sieht die Essenz, das Eine und Unbegrenzte. Beide stammen aus derselben Quelle und sind durch die Dualität verschoben. Der Weg durch das Licht führt zur Freiheit und Extase, der Weg durch die Dunkelheit zu Abhängigkeit und Leid. Die Meisterung beider führt zur Transzendenz und zurück in das grosse Mysterium.
Integrität und das neue Paradigma
Das neue Paradigma besagt grundsätzlich folgendes: Alles ist Schwingung, fraktal, durch Bewustsein geordnet, interdimensional und miteinander verbunden. Die integrale Kunst baut auf dieser Weltsicht auf, in der Betrachter, Kunstwerk, Erfahrung und Interpretation nicht voneinander getrennt sind. Auf diesem grossen Spielfeld von Ausdruck und Reflexion geht es im Wesentlichen einzig um die Fortentwicklung des Geistes und der Seele.
Die Seelen der Menschen sind wie Funken aus der Quelle, die gleich Wellen des Bewusstseins in den Äther hinausströmen. Auf deren Reise durch Räume, Zeiten und Dimensionen, durchlaufen sie unzählige Veränderungen. Verschiedene Ereignisse des Kosmos ziehen sie and und stossen sie ab, so dass diese Aspekte des Bewusstsein in allen Winkleln des Universums gelangt, verschiedene Formen annimmt und auf diese Art eine Entwicklung erfährt.
Die Erde ist heute ein Kreuzpunkt vieler verschiedener, intergalaktischer Intelligenzen und Rassen, die zum Geschehen der Zeitenwende mitwirken. Daher ist der Kreationsprozess auch hier voll im Gange und die Gestaltung der Realitäten setzt sich durch uns fort. Das Grösste, was wir in unserem Tun und Erschaffen erkennen können, ist die Analogie zum göttlichen Erschaffungsprozess. Je näher wir selbst der Quelle sind, umso authentischer ist unser Tun und umso wahrhaftiger der Gehalt. In dieser Hinsicht sind alle unserer Handlungen kreative Prozesse, die unser Leben und dadurch die Realität dieser Welt gestalten.
Kunst im dritten Millenium
Welche Rolle spielt die Kunst heute und welche Rolle sollte sie spielen?
Im Informationszeitalter scheint sich die Zeit und das Tempo unseres Lebens so sehr zu beschleunigen, dass niemand wirklich den Überblick hat und sagen kann, was momentan auf diesem Planeten geschieht. Die Entwicklung der Menschheit geht durch einen enormen Prozess der Individualisierung und das Resultat ist, dass die Dinge auf allen Ebenen, besonders auch in der Kunst, vielfältiger und komplexer werden, so dass die Bedeutungen, Absichten und somit aud die Definitionen immer weiter auseinanderdriften. Die Gegensätze dessen, was das Menschsein ausmacht, werden immer extremer. Die Kunst als Spiegel des Bewusstseins und der Entwicklung ändert ihre Definition so, wie sich die Menschen verändern.
Seit Malevich's Schwarzem Quadrat hat die Kunst im 20. Jahrhundert eine drastische Wendung genommen. Sie ist nicht mehr zwingend mit der Darstellung eines Ideals zu assoziieren, was die traditionelle Kunst lange Zeit als Hauptaufgabe sah. Ganz im Gegenteil wird sie dazu benutzt, Tabus zu brechen und das Realistische, gar das Hässliche sichtbar zu machen. Dieser Prozess war dringend notwendig, um all jene Dinge, die uns unangehem sind und von uns verdrängt wurden, ans Tagelicht zu befördern. Es war eine grosse Befreiung, verbotene Themen auszusprechen und zu kritisieren, damit dann, wenn genug Menschen ihr Augenmerk darauf gerichtet hatten, eine Veränderung stattfinden konnte. Sowie die Forschung mit dem analytischen Prinzip grosse Arbeit darin geleistet hat, diverse Aspekte der Natur und des Menschen mechanisch zu erklären, hat die Kunst grosse Arbeit darin geleistet, die menschlichen Emotionen mit all ihren Ängsten, Freuden, Sehnsüchten und Abgründe aufzudecken.
Das, was wir im 20. Jahrhundert unter zeitgenössischer Kunst verstanden, ist daher keinesfalls mehr mit dem zu vergleichen, was wir im Jahrhundert davor oder noch früher unter Kunst verstanden haben. Die einzige Aussage jedoch, die auch im 20. Jahrhundert galt, war, dass die Kunst, egal was sie darstellte, immer den Bewusstseinszustand, aus der sie erschaffen wurde, reflektiert. Die Kunst ist zu einer Wissenschaft geworden, in der Analyse Vorrang vor Kreativität und Sinn hat und wo Erschaffer und Betrachter voneinander getrennt sind. Die Kunst des 20. Jahrhunderts spiegelt also den Zeitgeist und das Bewusstsein der damaligen Menschen wieder und wie in jedem Zeitalter gab es einige Künstler, die dem Massenbewusstsein um einige Schritte voraus waren.
Die Eigenschaft der Kunst, neue Impulse zu geben, Tabus zu brechen und unerforschte Möglichkeiten zu erkunden, ist eine wichtige Triebfeder für die Entwicklung der gesamten Menschheit. Grosse Künstler sowie grosse Forscher und Denker hatten alle eine Vision und Zugang zu einem bestimmten Aspekt der Wahrheit, der für andere noch unerschlossen war. Wahre Kunst und wahre Wissenschaft sind sich ihrem Wesen nach gleich, da sie von demselben Streben nach Wahrheit angetrieben werden. Die Wahrheit ist zu allen Zeiten erstrebenswert, denn nichts ist so alt wie die Wahrheit und nichts ist so aktuell wie die Wahrheit. Eine wichtige Aufgabe der Kunst ist daher meiner Ansicht nach, die Wahrheit immer wieder neu zu formulieren, so dass sie vom jeweiligen Bewusstseinszustand der Menschen verstanden werden kann.
Doch was an wirklich Neuem bietet die Kunst heute? Alle Tabu-Themen sind bereits behandelt worden - welche Tabus können noch gebrochen werden? Wie provokativ muss ein Künstler noch sein, um die Aufmerksamkeit der Menschen zu erregen? Meiner Ansicht nach steigen heutzutage immer noch viele auf einen Zug auf, der letztes Jahrtausend bereits abgefahren ist. Denn, wenn alle Dogmen aufgebrochen und alle Mauern eingerissen sind, was soll danach geschehen? Wenn alle einengende Muster und beschränkendes Denken nun kritisiert und als falsch bezeichnet wurden, woran sollen sich die Menschen halten? Denn grosse Freiheit bedeutet auch grosse Orientierungslosigkeit, und wenn wir etwas Altes loslassen, muss etwas Neues herbeikommen.
Meiner Meinung nach sollte die Aufgabe der Kunst heute eine "integrale Kunst" sein, ein Boden, auf dem das Wissen und die Erkenntnisse der verschiedenen Disziplinen, sowie der Erschaffungsprozess der Künstler und der Erfahrungsprozess der Betrachter interagieren und sich auf eine neue Art vereinen können. Sie sollte ein Wegweiser sein, um zu zeigen, wie das, was wir nun als "Neues" in unserem Leben herbeiführen wollen, von uns selbst kreiert werden muss. Wir können nicht weiter nur analysieren und noch mehr ins Detail gehen, wenn dadurch die Spaltung nur noch vergrössert wird, und wir am Ende alle voneinander getrennt, das Gesamtbild nicht mehr sehen. Wir können nicht noch mehr Tabus brechen, wenn es eigentlich keine mehr gibt, und der Versuch weiterer Provokation nur zur Folge hat, dass die Menschen verunsichert und orientierungslos werden. Die Kunst, sowie die Wissenschaft und besonders die Religionen, sollten nun, aufbauend auf ihrem Wissen und deren Erfahrungen, eine Richtung angeben, der zu einem Zustand der Ganzheit, der Gesundheit und der Freude führt. Im dritten Jahrtausend ist es Zeit, all die Fragmente wieder zusammenzubringen und in ein Ganzes zu integrieren, was im Laufe der Äonen zersplittert wurde.
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